Zwei Wege, wie die Steuervorgabe ins Haus kommt

Vor der ersten gezogenen Leitung steht eine einzige Frage: Steuert der Netzbetreiber digital oder über Kontakte? Die Antwort bestimmt den halben Verdrahtungsaufwand. Treffen kann sie nur der Netzbetreiber.

Weg 1: digital über EEBUS

EEBUS ist ein herstellerübergreifender Standard für die Kommunikation zwischen Energiegeräten im Haus. Getragen wird er von der EEBUS-Initiative, in der unter anderem Heizungs-, Wechselrichter- und Fahrzeughersteller organisiert sind.

Technisch besteht EEBUS aus zwei Schichten: SHIP regelt den Transport über TCP/IP einschließlich TLS-Verschlüsselung, SPINE die Bedeutung der ausgetauschten Daten. Alles läuft im lokalen Netz – ein Cloud-Zugang wird nicht gebraucht.

Die Anwendungsfälle, die hier zählen

AnwendungsfallBedeutungWofür
LPC Begrenzung der Leistungsaufnahme §14a EnWG – Drosselung steuerbarer Verbraucher
MPC Rückmeldung der Ist-Leistungsaufnahme §14a EnWG – Nachweis gegenüber dem Netzbetreiber
LPP Begrenzung der Leistungserzeugung §9 EEG – Wirkleistungsreduzierung der PV-Anlage

Das HEMS Plus bringt die Steuerbox-Rolle mit und kann die Vorgabe auf diesem Weg entgegennehmen. Für Sie bedeutet das: keine zusätzlichen Steuerleitungen, aber ein funktionierender Netzwerkpfad zwischen Steuerbox und Energiemanagement und ein Pairing-Vorgang bei der Inbetriebnahme.

Die Ausfallsicherung sitzt hier, nicht auf dem Relais Beim digitalen Weg gehören Verbindungsüberwachung und vorab hinterlegte Ausfall-Leistungsgrenzen zum Verfahren. Bricht die Verbindung ab, greift der hinterlegte Wert. Das ist der normativ vorgesehene Ort für die Ausfallsicherung.

Weg 2: klassisch über potentialfreie Kontakte

Der Netzbetreiber stellt über die Steuerbox oder einen Rundsteuerempfänger Relaiskontakte bereit. Diese legen Sie auf die digitalen Eingänge des HEMS Plus; die Speisung des Signalpfads übernimmt einer der 5-V-Versorgungsausgänge, sodass für den Fremdkontakt keine eigene Spannungsquelle nötig ist.

Im bundeseinheitlichen Grundsteuerungskonzept sind die Signale so belegt:

SignalKontaktWirkung bei aktivem Signal
S1SchließerEinspeisung auf 60 % abregeln (§9 EEG)
S2SchließerEinspeisung auf 30 % abregeln (§9 EEG)
W3WechslerEinspeisung auf 0 % abregeln (§9 EEG)
W4WechslerNetzbezug dimmen (§14a EnWG)

Ist kein Relais angesteuert, gilt volle Freigabe. Bei den Wechslern klemmt der Netzbetreiber je nach Prinzip nur einen der beiden Zweige.

Kontaktprinzip prüfen, nicht annehmen

Der einschlägige FNN-Hinweis legt den Kontakttyp der Steuerbox-Relais ausdrücklich nicht fest – die Relais können als Öffner oder als Schließer ausgeprägt sein. In der Praxis verdrahten viele Netzbetreiber Schließer im Arbeitsstromprinzip und akzeptieren, dass ein Ausfall der Steuerbox zur Freigabe führt.

Weil das eben nicht bundeseinheitlich ist, lässt sich die Auswertung am HEMS Plus je Eingang zwischen Arbeitsstrom und Ruhestrom umschalten. Prüfen Sie das Prinzip am konkreten Gerät und im Anschlussplan des Messstellenbetreibers. Eine falsche Annahme führt dazu, dass die Reduzierung genau verkehrt herum greift.

Welcher Weg wann

EEBUSPotentialfreie Kontakte
Zusätzliche Leitungenkeineje Signal ein Paar
VoraussetzungNetzwerkpfad, Pairingfreie Eingänge, Signalspeisung
Abstufungstufenlose Leistungsvorgabefeste Stufen je Signal
Ausfallverhaltenhinterlegte Grenzwerteabhängig vom Kontaktprinzip
Wer entscheidetder Netzbetreiber, nicht der Fachbetrieb

Anschlussbeispiele

Die konkrete Klemmenbelegung und bebilderte Anschlussbeispiele stehen in der Bedienungsanleitung. Sie wird dort gepflegt und ist online abrufbar – deshalb finden Sie hier bewusst keine zweite Fassung, die veralten könnte.

Anschlussbeispiele im Handbuch ↗  ·  Kontaktprinzip einstellen ↗